Fachartikel Bohrprofile interpretieren

Typische Bohrprofile bei der Bohrwiderstandsmessung und ihre Interpretation

Bohrprofile interpretieren gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben bei der Bohrwiderstandsmessung. Die Messkurve zeigt nicht unmittelbar „gesundes“ oder „krankes“ Holz. Sie zeigt den lokalen Widerstand, den eine dünne, rotierende Bohrnadel entlang eines Bohrkanals erfährt.

Der diagnostische Wert entsteht erst durch die fachliche Interpretation. Entscheidend ist, welche Materialeigenschaft das Gerät tatsächlich erfasst, wie zuverlässig das Messsignal dargestellt wird und ob der Verlauf im Zusammenhang mit Holzart, Bohrposition, Jahrringverlauf, sichtbarem Befund und vermuteter Schadensursache plausibel ist.

Bei modernen, elektronisch geregelten Geräten korreliert der aufgezeichnete Bohrwiderstand im Wesentlichen mit der Holzdichte entlang des Bohrweges. Dadurch können Dichteunterschiede, Jahrringstrukturen, Fäule, Hohlräume oder Risse sichtbar werden, sofern das Gerät eine ausreichende räumliche und signaltechnische Auflösung besitzt.

Fehlbeurteilungen entstehen häufig nicht aus der Methode selbst, sondern aus unzureichender Gerätequalität, ungeeigneter Bohrgeometrie oder einer falschen Interpretation der Kurve. Ein Bohrprofil ist deshalb kein selbsterklärendes Urteil, sondern ein Indizienprofil, das fachkundig gelesen werden muss.

Von Alexander Kraus, Sachverständiger für Baumpflege und Baumsanierung

Was ein Bohrprofil tatsächlich zeigt

Ein Bohrwiderstandsprofil ist eine Messkurve. Sie entsteht, während eine dünne Bohrnadel mit definierter Vorschubgeschwindigkeit in das Holz eingebracht wird. Das Gerät zeichnet auf, welchen Widerstand die Nadel entlang des Bohrweges erfährt.

Moderne Geräte erfassen hierfür in der Regel die elektrische Leistungsaufnahme des Rotationsmotors. Unter der Voraussetzung eines linear arbeitenden Motors ist dieser Messwert proportional zum mechanischen Drehmoment an der Nadel und wird wesentlich durch die lokale Holzdichte im Bereich der Nadelspitze bestimmt.

Für die Praxis bedeutet das: Die Kurve zeigt Dichte- und Strukturunterschiede entlang einer einzelnen Bohrlinie. Sie zeigt aber nicht automatisch den gesamten Zustand des Baumes oder des Stammquerschnitts.

Die Aussagekraft hängt deshalb von mehreren Faktoren ab:

  • technischer Qualität und Auflösung des Gerätes,
  • Baumart und Holzanatomie,
  • Bohrposition und Bohrwinkel,
  • Jahrringverlauf,
  • sichtbaren Defektsymptomen,
  • vermuteter Schadensursache,
  • Erfahrung des Anwenders.

Eine fachgerechte Bohrwiderstandsmessung beginnt daher nicht mit dem Gerät, sondern mit einer Fragestellung. Was soll geklärt werden? Eine Höhlung? Eine Fäule? Eine Restwand? Ein Riss? Ein Verdacht aus der Sichtkontrolle? Erst daraus ergibt sich, wo und wie gebohrt werden sollte.

Intaktes Holz: regelmäßige Jahrringstruktur

Ein typisches Profil intakten Holzes zeigt keinen vollkommen gleichmäßigen Verlauf. Es zeigt meist eine rhythmische Abfolge von höheren und niedrigeren Ausschlägen. Diese Schwankungen entstehen durch den Wechsel von Frühholz und Spätholz.

Frühholz ist in der Regel leichter, weitlumiger und weniger dicht. Spätholz ist dichter und erzeugt deshalb höhere Widerstandswerte. Bei Nadelhölzern ist dieser Unterschied häufig besonders deutlich ausgeprägt. Bei Laubhölzern variiert er je nach Holzart, Jahrringbau und Porenstruktur.

Ein regelmäßiges, fein gegliedertes Profil mit erkennbarer Jahrringstruktur spricht daher zunächst für intaktes Holz. Wichtig ist allerdings, niedrige Kurvenabschnitte nicht vorschnell als Fäule zu deuten.

Gerade breite Frühholzzonen können längere Abschnitte mit relativ niedrigen Widerstandswerten erzeugen, obwohl das Holz vollständig intakt ist. Entscheidend ist, ob die Jahrringstruktur weiterhin ablesbar bleibt und ob der Kurvenverlauf im Vergleich zu benachbarten Frühholzbereichen plausibel ist.

Weiches, aber intaktes Holz: häufige Quelle von Fehlinterpretationen

Ein typisches Problem bei der Interpretation von Bohrprofilen ist die Verwechslung von natürlicherweise weichem Holz mit beginnender Fäule. Besonders im Zentrum vieler Nadelhölzer sowie in bestimmten Splintholzbereichen ringporiger Laubhölzer können niedrige Widerstandswerte auftreten, ohne dass ein pathologischer Holzabbau vorliegt.

Wird nur die absolute Höhe der Kurve betrachtet, kann ein solcher Abschnitt fälschlich als Defekt interpretiert werden.

Die fachliche Bewertung muss deshalb nicht nur den Kurvenwert, sondern auch die Kurvenform berücksichtigen:

  • Bleiben Frühholz- und Spätholzzonen erkennbar?
  • Passt der Verlauf zur Holzart?
  • Ist der niedrige Abschnitt anatomisch erklärbar?
  • Gibt es sichtbare Defektsymptome an der Bohrstelle?
  • Fällt die Kurve deutlich unter das artspezifisch erwartbare Frühholzniveau?

Bleibt die Jahrringstruktur erkennbar, spricht dies eher für intaktes Holz. Verschwimmt dagegen die Struktur, wird der Verlauf unregelmäßig und strukturlos oder fällt die Kurve deutlich unter das erwartbare Niveau ab, kann dies auf Holzabbau hinweisen.

Die Interpretation typischer Bohrprofile muss daher immer baumartspezifisch erfolgen. Bohrposition, Bohrwinkel und Jahrringverlauf sind für die Aussagekraft ebenso wichtig wie der absolute Messwert.

Fäuleprofile: Verlust von Dichte und Struktur

Fäule zeigt sich im Bohrprofil meist durch einen deutlichen Rückgang des Widerstands. Dieser Rückgang entsteht, weil holzzerstörende Pilze Zellwände abbauen und damit Masse und Dichte des Holzes verringern.

Ein typisches Fäuleprofil ist jedoch nicht immer ein abruptes Absinken auf Null. Frühstadien können sich deutlich subtiler äußern:

  • Die Kurve verliert an Schärfe.
  • Die Differenzierung zwischen Frühholz und Spätholz wird schwächer.
  • Einzelne Jahrringabschnitte erscheinen abgeflacht.
  • Die charakteristische innere Struktur des Profils bricht lokal zusammen.
  • Der Verlauf wird unregelmäßig und weniger plausibel.

Gerade diese Frühstadien sind diagnostisch bedeutsam. Bereits geringe Masseverluste können mit erheblichen Festigkeitsverlusten verbunden sein. Daraus folgt: Ein geeignetes Gerät darf nicht nur größere Hohlräume oder fortgeschrittene Fäule anzeigen. Es muss auch feine Veränderungen der Dichte- und Jahrringstruktur ausreichend auflösen können.

Für die Baumdiagnostik ist besonders wichtig, Fäule nicht isoliert als Kurvenabfall zu betrachten. Entscheidend ist die Verbindung mit dem sichtbaren Befund: Pilzart, Befallsort, Baumart, Vitalität, Kompensationswachstum und statische Bedeutung des betroffenen Bereichs.

Ein Kurvenabfall ist ein Hinweis. Die fachliche Frage lautet: Was bedeutet dieser Dichteverlust an genau dieser Stelle des Baumes?

Hohlräume und Kavernen: abrupter Widerstandsverlust

Ein Hohlraum erzeugt im Bohrprofil typischerweise einen abrupten Abfall des Widerstands auf sehr niedrige Werte oder nahezu Null.

Im Unterschied zur Fäule ist der Übergang häufig scharf ausgeprägt. Die Nadel trifft zunächst auf Holz, verliert dann im Hohlraum nahezu vollständig den Materialkontakt und erreicht beim Austritt aus dem Hohlraum wieder Holz mit entsprechendem Widerstand. Im Profil entsteht dadurch eine markante Leerstelle.

Die scheinbare Klarheit solcher Profile darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier die Bohrgeometrie entscheidend ist. Eine Einzelbohrung erfasst nur den tatsächlich durchbohrten Weg. Sie zeigt nicht automatisch die räumliche Ausdehnung des Hohlraums im gesamten Querschnitt.

Bei unregelmäßigen Kavernen, asymmetrischer Fäule oder exzentrischen Defekten kann eine einzelne Messung den kritischsten Bereich treffen. Sie kann ihn aber auch vollständig verfehlen.

Deshalb darf aus einer einzelnen Bohrlinie nicht vorschnell auf den gesamten Stammquerschnitt geschlossen werden. Das Bohrprofil muss mit Sichtbefund, Klangprobe, Sondierung, gegebenenfalls weiteren Bohrungen oder anderen Untersuchungsverfahren abgeglichen werden.

Risse und Delaminationen: schmale, oft steile Profilabbrüche

Risse, Ringschäle und Delaminationen erzeugen häufig sehr schmale, steile Einbrüche im Bohrprofil. Da die Bohrnadel an solchen Stellen kurzzeitig keinen oder nur verminderten Kontakt zum Holz hat, fällt der Widerstand abrupt ab und steigt unmittelbar danach wieder an.

Im Unterschied zu ausgedehnter Fäule oder großen Hohlräumen sind diese Signale oft eng begrenzt. Bei geringer Auflösung können sie leicht übersehen oder mit natürlicher Jahrringvariation verwechselt werden.

Besonders bei Konstruktionshölzern, Brettschichtholz oder historischer Bausubstanz kann die Risserkennung eine wichtige Anwendung der Bohrwiderstandsmessung sein. Auch bei Bäumen können Risse statisch relevant sein, insbesondere wenn sie in Verbindung mit Fäule, einseitiger Belastung, Stammfußschäden oder Kronendefekten auftreten.

Voraussetzung ist ein hochauflösendes Profil, das schmale Unterbrechungen zuverlässig abbildet. Ebenso wichtig ist die Einordnung: Ein schmaler Einbruch ist nicht automatisch ein gefährlicher Riss. Er muss zur Bohrposition, zum sichtbaren Befund und zur vermuteten Schadensstruktur passen.

Insektenschäden: unregelmäßige lokale Ausfälle

Insektenschäden zeigen sich häufig als unregelmäßige, punktuelle oder abschnittsweise Widerstandsverluste. Fraßgänge können im Profil als kurze Einbrüche erscheinen, die sich je nach Verlauf des Bohrkanals wiederholen oder nur vereinzelt auftreten.

Anders als bei gleichmäßigem Dichteverlust durch Fäule ist das Profil häufig heterogener. Es kann zwischen intakten Holzabschnitten und lokalen Ausfällen wechseln.

Die Schwierigkeit besteht darin, Fraßgänge von Rissen, Frühholzbereichen oder technischen Artefakten zu unterscheiden. Auch hier gilt: Die Kurve darf nicht isoliert gelesen werden.

In die Bewertung gehören insbesondere:

  • Holzart,
  • Baum- oder Bauteilgeschichte,
  • sichtbare Ausfluglöcher,
  • Bohrmehl,
  • Feuchteverhältnisse,
  • sichtbare Defektsymptome,
  • gegebenenfalls weitere Untersuchungen.

Bei Bäumen ist zusätzlich zu prüfen, ob der Befund für die Verkehrssicherheit relevant ist oder ob er lediglich eine lokale Schädigung ohne wesentliche statische Bedeutung darstellt.

Exzentrischer oder tangentialer Bohrverlauf: scheinbare Defekte

Nicht jedes auffällige Profil ist ein Hinweis auf einen Schaden. Bohrt die Nadel nicht radial, sondern tangential oder schräg zum Jahrringverlauf, kann sie längere Zeit innerhalb einer Frühholzzone oder entlang einer bestimmten Dichtestruktur verlaufen.

Dadurch entstehen flache Kurvenabschnitte, die bei oberflächlicher Betrachtung wie Fäule wirken können.

Auch bei Wurzelbohrungen oder Bohrungen an unregelmäßigen Holzkörpern besteht dieses Risiko. Wenn die Nadel den Holzkörper verlässt, kann das Profil plötzlich abfallen. Dieser Abfall kann fälschlich als Fäule interpretiert werden, obwohl die Nadel schlicht nicht mehr durch Holz läuft.

Solche Beispiele zeigen, dass die Bohrwiderstandsmessung nicht nur ein Messverfahren, sondern auch ein Interpretationsverfahren ist.

Ansatzpunkt, Bohrwinkel, vermutete Lage des Defekts und anatomische Orientierung des Holzes sind für die Aussagekraft ebenso wichtig wie die technische Qualität des Gerätes.

Artefakte ungeeigneter Geräte: scheinbare Schäden durch Messtechnik

Ein weiterer typischer Kurvenverlauf entsteht nicht durch das Holz, sondern durch das Messsystem. Mechanische Geräte mit federbasierter Aufzeichnung können Resonanz- und Schwellwerteffekte erzeugen.

Solche Profile schwanken dann stärker oder schwächer als die tatsächliche Holzdichte. Sie zeigen Plateaus, künstliche Einbrüche oder fallen in weichen Frühholzbereichen stärker ab, als es dem Holz tatsächlich entspricht.

Für die Praxis bedeutet dies: Die Interpretation typischer Bohrprofile ist nur dann fachlich belastbar, wenn das Gerät eine klare, reproduzierbare und möglichst lineare Beziehung zur Holzdichte aufweist.

Andernfalls kann ein Profil Schäden suggerieren, wo keine vorhanden sind, oder Schäden verdecken, die tatsächlich bestehen.

Die Qualität des Messgeräts und die Erfahrung des Anwenders sind daher keine Nebensachen. Sie entscheiden darüber, ob aus einer Kurve eine belastbare Diagnose oder eine Fehlinterpretation wird.

Grenzen der Bohrwiderstandsmessung

Die Bohrwiderstandsmessung ist ein wertvolles Verfahren, aber sie bleibt punktuell. Sie beschreibt den Zustand entlang einer einzelnen Bohrlinie. Sie beantwortet nicht automatisch die Frage, wie groß ein Defekt im gesamten Stamm, Ast oder Wurzelanlauf ist.

Gerade bei alten Bäumen, asymmetrischen Höhlungen, unregelmäßiger Fäule oder komplexer Stammfußschädigung kann eine einzelne Messung nicht repräsentativ sein.

Die Grenzen liegen insbesondere bei:

  • asymmetrischen Defekten,
  • unregelmäßig verlaufenden Höhlungen,
  • verdeckt liegenden Wurzelschäden,
  • stark exzentrischer Fäule,
  • ungünstigem Bohrwinkel,
  • fehlender baumartspezifischer Einordnung,
  • unzureichender Auflösung des Messgerätes,
  • fehlender Verbindung mit dem sichtbaren Befund.

Deshalb sollte die Bohrwiderstandsmessung nicht isoliert angewendet werden. Sie ist besonders stark, wenn sie eine konkrete Fragestellung beantwortet und ihre Ergebnisse mit visuellen Befunden, baumbiologischer Bewertung und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsverfahren kombiniert werden.

Bei komplexen Fragestellungen zur Stand- oder Bruchsicherheit kann ein ergänzender baumstatischer Zugversuch oder ein weiterführendes Baumgutachten sinnvoll sein.

Praktische Einordnung im Baumgutachten

In einem Baumgutachten sollte ein Bohrprofil nicht nur als Kurve abgelegt werden. Entscheidend ist die Interpretation. Der Befund muss erklären, was gemessen wurde, warum an dieser Stelle gebohrt wurde und welche Schlussfolgerung daraus gezogen wird.

Eine fachlich brauchbare Auswertung sollte mindestens beantworten:

  • Welche Fragestellung lag der Messung zugrunde?
  • Wo wurde gebohrt?
  • In welcher Richtung und mit welchem Winkel wurde gebohrt?
  • Welche Baumart und welcher Holzbereich wurden untersucht?
  • Welche sichtbaren Befunde lagen vor?
  • Welche Profilabschnitte sprechen für intaktes Holz?
  • Welche Abschnitte deuten auf Fäule, Hohlraum, Riss oder anderen Defekt hin?
  • Wie sicher ist diese Interpretation?
  • Reicht eine Messung aus oder sind weitere Untersuchungen erforderlich?
  • Welche Bedeutung hat das Ergebnis für Stand- oder Bruchsicherheit?

Erst dadurch wird aus einer Messkurve eine nachvollziehbare fachliche Bewertung. Eine Kurve ohne Interpretation ist im Streitfall wenig hilfreich. Eine Interpretation ohne nachvollziehbare Messgrundlage ist ebenso problematisch.

Bohrwiderstandsmessung am Baum zur Interpretation typischer Bohrprofile
Bohrwiderstandsmessung am Baum: Typische Bohrprofile müssen im Zusammenhang mit Baumart, Bohrposition und sichtbarem Befund interpretiert werden.

Unsere Leistungen bei Bohrwiderstandsmessung und Bohrprofil-Interpretation

Wir unterstützen private Eigentümer, Kommunen, Hausverwaltungen, Kirchengemeinden, Unternehmen und öffentliche Auftraggeber bei der fachgerechten Untersuchung und Bewertung von Bäumen.

Unsere Leistungen können insbesondere umfassen:

  • Bohrwiderstandsmessungen an Bäumen und Holzbauteilen,
  • Interpretation typischer Bohrprofile,
  • Bewertung von Fäule, Hohlräumen, Rissen und Strukturverlusten,
  • Abgleich mit visuellen Befunden aus der Baumkontrolle,
  • Beurteilung der Aussagekraft einzelner Messungen,
  • Empfehlung weiterer Untersuchungsverfahren,
  • Einordnung der Ergebnisse im Hinblick auf Stand- und Bruchsicherheit,
  • Erstellung von Baumgutachten mit nachvollziehbarer Dokumentation.

Wenn bei einem Baum unklare Defekte, Höhlungen, Pilzbefall oder Zweifel an der Bruchsicherheit bestehen, kann eine fachgerecht eingesetzte Bohrwiderstandsmessung wichtige Hinweise liefern. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Messung, sondern ihre sachverständige Interpretation.

Fazit: Bohrprofile sind Indizien, keine selbsterklärenden Diagnosen

Typische Bohrprofile lassen sich nur im Zusammenspiel von Messtechnik, Holzanatomie und Schadenshypothese verstehen.

Intaktes Holz zeigt meist eine erkennbare Jahrringstruktur mit regelmäßigem Wechsel von Früh- und Spätholz. Fäule führt zu Dichteverlust, Strukturverlust und häufig zu einer Abflachung oder Auflösung der charakteristischen Kurvenform. Hohlräume erzeugen abrupte Widerstandsverluste. Risse und Delaminationen zeigen sich meist als schmale Einbrüche. Insektenschäden können unregelmäßige lokale Ausfälle hervorrufen.

Gleichzeitig können weiches Frühholz, tangentiale Bohrverläufe oder technische Artefakte ähnliche Kurvenbilder erzeugen. Genau deshalb ist die Interpretation entscheidend.

Die Bohrwiderstandsmessung liefert keine selbsterklärende Schadensdiagnose, sondern ein hochauflösendes Indizienprofil. Ihre Stärke liegt in der präzisen Darstellung lokaler Dichte- und Strukturveränderungen. Ihre Grenze liegt in der Punktualität der Messung und in der hohen Anforderung an die Interpretation.

Fachgerecht angewendet, ist sie ein wertvolles Instrument der Baum- und Holzdiagnostik, insbesondere dann, wenn ihre Ergebnisse mit visuellen Befunden, baumstatischen Überlegungen und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsverfahren zusammengeführt werden.

Literatur und Quellen

  • Rinn, F. (2015): Bohrwiderstandsprofile richtig verstehen. BaumZeitung 5/2015, S. 43–46.
  • Rinn, F. (2015): Key to evaluating resistance drilling profiles. Western Arborist, Fall 2015, S. 16–21.
  • Rinn, F. (2014): Typical Trends in Resistance Drilling Profiles of Trees. Arborist News, February 2014, S. 42–47.
  • Reinartz, H.; Schlag, M. (1997): Integrierte Baumkontrolle (IBA). Stadt und Grün 10/1997.
  • Rinn, F. (2015): Risserkennung mittels Bohrwiderstandsmessungen. Holztechnologie 56(4), S. 62–63.

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